EINFÜHRUNG ZU MEINEN BILDERN Els Daniel-Stroh

 

 

Viele Jahrhunderte lang, ja, seit Urzeiten schon, diente die Kunst vorwiegend als Sprachrohr der Beziehung des Menschen zum Göttlichen. Sie war damit mehr als nur eine Spielform; sie übernahm eine geistige Funktion. Und so half sie uns, die immer wieder von Zeit zu Zeit eintretenden kosmischen oder gesellschaftlichen Katastrophen zu überstehen. Damit wurde sie zu einem Therapeutikum ersten Ranges. Sie ließ das Unvergängliche im Vergänglichen, das Überweltliche im Weltlichen, das Jenseits im Diesseits aufscheinen.
Der moderne Mensch hat weitgehend diese Verbindung mit dem Welthintergründigen verloren. Darum fehlt in den meisten Kunstwerken der Gegenwart der „ferne Klang der Ewigkeit", der uns leben hilft.
Die Sakralkunst der Vorzeit hatte diese Aufgabe übernommen. Jedoch wurde sie mehr und mehr eingeschränkt durch Festlegung auf ein ganz bestimmtes Glaubensgut. Das universale Moment des Religiösen erhielt dadurch nur unzulänglichen Ausdruck. In Gestalt von Mythen, Symbolen, Heilsgestalten und Bauwerken schimmerte es hindurch. Aber es ist nicht unbedingt an diese gebunden. Das Erlebnis des Schönen, Harmonischen, Geglückten, Vollkommenen kann es uns auch vermitteln. Nehmen wir zum Beispiel ein Still-Leben des großen französischen Malers Cezanne. Es zeigt nichts als einige sehr profane Dinge: ein paar Äpfel, ein Glas, eine weiße Serviette. Aber wie das dargestellt ist  darin liegt das Schöne. Es handelt sich hierbei ja um kein bloßes Abbild der dargestellten Gegen­stände, um keine Photographie, sondern um ein Kunstwerk. Als solches lässt es uns den faktischen Inhalt alsbald vergessen und nur das Erlebnis der Schönheit des Bildes bleibt zurück. Das aber ist ein transzendentes Erlebnis, das weit über alles Gegenständliche hinausreicht.
Es handelt sich hierbei um jene Art von Schönheit, die Plato im Auge hatte, als er in seinem „Gastmahl" Diotima die Worte in den Mund legte:
„Wer das Schöne erkennt, der wird zuletzt ein Wunderbares erblicken! Er wird das Schöne schauen, das ewig ist, das niemals wird und niemals vergeht. Und er wird zu jener ewigen Schönheit wie auf Stufen kommen, Sokrates, wie auf Stufen, Stufen..."
Die hier gemeinte Schönheit ist etwas Geistiges, Religiöses, Göttliches; es ist eine Stufe auf dem Wege zum Ewigen, zu Gott, nicht anders als es die Mythen, Sinnbilder und Rauten der Religionen -nur auf direktere Weise - sind. Im Gefolge einer solchen Auffassung möchte auch ich meine Bilder betrachtet wissen.